Nichts wird fertig, alles bleibt: Der Kreisel als Berliner Lebensform

Der Steglitzer Kreisel ist kein Gebäude. Er ist ein Versprechen. Ein Mahnmal. Ein urbanes Fossil. Seit Jahrzehnten ragt das „Skelett von Steglitz“ in den Himmel und erinnert daran, dass in Berlin selbst Ruinen eine Verwaltungskarriere machen können. Andere Städte bauen Hochhäuser. Berlin pflegt sie im Rohzustand – aus Respekt vor der Geschichte des Nichtfertigwerdens.

Immer wieder gibt es neue Pläne: Abriss, Umbau, Luxuswohnungen, Verwaltung, Kultur, Visionen mit Renderings in Sonnenuntergangsfarben. Und dann passiert – nichts. Der Kreisel bleibt, wie er ist: ein architektonisches „Wir kümmern uns später“.

Nun aber die rettende Idee: Wenn der Grunewald geschützt werden soll, warum nicht das Offensichtliche tun? Wir machen den Kreisel einfach zum Windpark. An jeder Seite ein Windrad. Nachhaltig, innovativ, förderfähig. Das Skelett bekommt endlich eine Daseinsberechtigung: Es rettet den Wald, erzeugt Strom und bleibt trotzdem unvollendet. Berlin in Reinform.

Während unten die Bürgerinnen rätseln, ob der Turm je mehr sein wird als ein Betongerücht, dreht sich oben die Energiewende im Kreis. Der Kreisel speist sauberen Strom ins Netz, ohne je bewohnt zu werden – ein Gebäude, das nur existiert, um nicht zu existieren. Perfekt.

Natürlich braucht es dafür erst eine Machbarkeitsstudie. Dann eine Vorstudie zur Machbarkeitsstudie. Dann ein Beteiligungsverfahren. Dann einen Runden Tisch. Dann neue Gutachten, weil sich der Wind inzwischen gedreht hat. Und am Ende bleibt alles, wie es war.

Aber mit einem Unterschied: Der Steglitzer Kreisel ist dann nicht mehr nur ein Denkmal des Stillstands. Er ist ein Symbol nachhaltiger Bewegung – die sich zuverlässig im Kreis dreht.