Geothermie versus heiße Berliner Luft

Berlin will jetzt tief gehen.
Sehr tief. Geologisch.

Politisch ist man da ja schon länger unterwegs.

Das neue Zauberwort heißt Geothermie: heißes Wasser aus dem Untergrund. Klimafreundlich, effizient, Zukunft! Im Berliner Abgeordnetenhaus herrscht seltene Einigkeit: Das wollen nämlich ausnahmsweise alle. Damit irgendwann ganze Stadtviertel beheizt werden können.

Aber Obacht! Es gibt eine kleine Berliner Spezialität.

Bevor gebohrt wird, möchte die Senatsverwaltung erst einmal herausfinden, wo sich das Bohren lohnt.

Also wird der Berliner Untergrund jetzt erst einmal untersucht. Und zwar sehr gründlich. Und das die nächsten sechs Jahre. Man misst, kartiert, analysiert. Schließlich muss man ja herausfinden, unter welchem Kiez besonders heißes Wasser steckt.
Die erhobenen Daten müssen sodann ausgewertet werden. Und vermutlich müssen noch ein paar Datenkommissionen gegründet werden, die über die Datenauswertung beraten. Das kann dauern… anderswo wird derweil längst mit Geothermie geheizt.

Aber wozu Warmwasser, wenn man heiße Luft en masse hat?!

Tatsächlich produziert die Berliner Politik täglich wirklich beeindruckende Mengen davon: nachhaltig, erneuerbar und praktisch unerschöpflich. Damit heizt sie das Klima der Stadt schon seit Jahrzehnten zuverlässig auf.

Vielleicht liegt die wahre Berliner Energiequelle also gar nicht im Untergrund, sondern direkt darüber – im Plenarsaal.

Und wenn diese Förderanlage einmal richtig angeschlossen wird, dann gilt für die Hauptstadt endgültig:

Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft…“