Der Berliner Senat träumt von Olympia. Und dieser Traum kommt in Hochglanz daher: höher, schneller, weiter – oder in der neuen Berliner Steigerungsform: gold, goldiger, am goldigsten. Grammatikalisch vielleicht wackelig, aber wer braucht schon Duden, wenn man Brücken übers Brandenburger Tor bauen kann?
Und ab hier wird’s interessant. Denn irgendwo zwischen olympischem Geist und Berliner Wirklichkeit kippt diese Vision leise ins Delirium. Plötzlich ist alles Erlebnis: Parcours hier, Begegnungszone da, und mittendrin fragt sich jemand ganz vorsichtig: Entschuldigung… wo genau ist nochmal der Sport?
Vielleicht versteckt er sich hinter einer Installation aus recycelten Leitbaken, die symbolisch für Geschwindigkeit stehen. Oder er findet als performative Laufkunst statt – drei Marathonläufer, die sich verlaufen haben und jetzt Teil eines interaktiven Stadtprojekts sind. Die Goldmedaille für Orientierungslosigkeit geht an den Berliner Senat.
Gold, wohin man blickt. Goldene Visionen, goldene Worte, goldene Chancen. Am Ende gibt es so viel Gold, dass man fast vergisst, dass es normalerweise an Menschen vergeben wird, die etwas… gewonnen haben. Aber Details, wirklich.
Es ist dieses zarte Flirren zwischen Genie und Größenwahn, das den Charme ausmacht. Eine Stadt, die sich selbst zur Bühne erklärt und dabei vergisst, wo eigentlich der Backstage-Eingang ist. Alles soll Begegnung sein – und am Ende begegnet man vor allem sich selbst, leicht überfordert, aber irgendwie beseelt. Und über allem schwebt diese goldene Brücke zur neuen Selfie-Plattform am Brandenburger Tor. Niemand weiß so genau, welchen Zweck das hat… vielleicht ist die Brücke einfach da, damit irgendjemand irgendwann sehr feierlich von A nach B schreiten kann, während unten jemand ruft: „Ey, dit is aber jesperrt hier!“ Ein Moment für die Ewigkeit – und für das Ordnungsamt.
Vision oder Fiebertraum? Vielleicht beides. Vielleicht ist Berlin genau dann am meisten es selbst, wenn es versucht, sich neu zu erfinden – und dabei grandios übertreibt.
Es ist nicht alles Gold, das glänzt. Vielleicht aber goldig? Auf eine sehr, sehr berlinische Art: absolut.

